
Der Dienstleister Kötter spürt den Aufschwung in der deutschen Wirtschaft
B.K. DÜSSELDORF, 23. September. Die konjunkturelle Erholung der Wirtschaft schlägt sich auch in den Auftragsbüchern der Essener Dienstleistungsgruppe Kötter nieder. Besonders im Geschäftsfeld Zeitarbeit hat die Nachfrage nach qualifizierten Kräften nach dem krisenbedingten Rückgang im Jahr 2009 wieder deutlich angezogen, beobachtet Friedrich Kötter, Geschäftsführender Gesellschafter des Familienunternehmens. Aber auch in der Sparte Gebäudereinigung profitiere man vom Produktionsanstieg in den Betrieben, der automatisch zu wieder mehr Reinigungsbedarf führe.
In der Krise hatten nach seinen Worten manche Unternehmen an der Sauberkeit gespart, indem die Reinigungsintervalle verlängert wurden. Kötter zeigt sich zuversichtlich, dass die gesamte Gruppe in diesem Jahr ein Umsatzplus von 4 bis 5 Prozent vermelden kann, nachdem der Umsatz im Vorjahr bei 280 Millionen Euro stagniert hatte. Bei den Margen gebe es indes noch keine Entwarnung, stellt er fest. Die Preisverhandlungen mit den Unternehmen blieben hart.
Das Unternehmen strebt nach Aussage des Firmenchefs nicht nur organisches Wachstum aus eigener Kraft an, sondern ist auch stets auf der Suche nach Ergänzungen sowohl des Dienstleistungsspektrums als auch der geographischen Präsenz. "Es ist allerdings schwierig, passende Firmen zu finden", räumt Kötter ein. Große Herausforderungen sieht das vor 76 Jahren als Wach- und Schutzdienst gegründete Unternehmen in dem Geschäftsfeld Geld- und Wertdienstleistungen. Nach der Ankündigung der Bundesbank, die Zahl ihrer Filialen zu reduzieren und künftig nur noch einen Anteil von 50 Prozent am umlaufenden Bargeld zu bearbeiten, können private Dienstleister wie Kötter eine wichtigere Rolle übernehmen.
Als erstes Unternehmen der Branche haben die Essener schon im Sommer bei der Finanzdienstleistungsaufsicht Bafin einen Antrag für die erforderliche Lizenzierung gestellt. Derzeit laufen nach eigenen Angaben die Vorbereitungen auf Hochtouren, um einen reibungslosen Übergang für die Kunden zu gewährleisten.
Die Zulassung als eigenständiger Zahlungsdienstleister ist nach Kötters Beschreibung an hohe Voraussetzungen geknüpft, beispielsweise an eine angemessene Eigenkapitaldeckung, den Nachweis einer Insolvenzversicherung, eine entsprechende technische Ausrüstung und eine Buchhaltung, die sich an derjenigen der Banken orientiert. Wie Kötter sagt, sind dazu hohe Investitionen in die Qualifizierung der Mitarbeiter und in die Prozesse der insgesamt vier über Deutschland verteilten "Cash-Center" des Unternehmens nötig. Deshalb geht er davon aus, dass die Preise für diese Dienstleistungen steigen und sich damit dem höheren Niveau im europäischen Ausland nähern werden. Auch erwartet Kötter, dass sich der überbesetzte Markt an Geld- und Wertdienstleistern mit den steigenden Qualitätsanforderungen konsolidieren wird.
Höhere Markteintrittsbarrieren fordert Kötter für das Sicherheitsgewerbe, in dem das Unternehmen zu den deutschen Marktführern zählt. Die lediglich auf der Basis der Gewerbeordnung geregelten Anforderungen für die Zulassung zu diesem Gewerbe seien hierzulande deutlich geringer als in den meisten europäischen Märkten. "Es ist leichter, ein Unternehmen für Sicherheitsdienstleistungen aufzumachen als eine Pommesbude", kritisiert er.
Auch bei der Schulung und Qualifikation der Mitarbeiter hat das Gewerbe nach seiner Beobachtung im internationalen Vergleich Nachholbedarf. Die Zahl der Anbieter wachse schneller als der Branchenumsatz. Kötter wünscht sich schärfere Kontrollen, damit schwarzen Schafen, die mit schlecht ausgebildeten Kräften und Dumpinglöhnen agierten, das Handwerk gelegt werde. Über die beiden jeweiligen Branchenverbände für das private Sicherheitsgewerbe und die Geld- und Wertdienste setzt sich Kötter seit langem für Mindestlöhne ein. Der Unternehmer hofft, dass die bereits mit der Gewerkschaft Verdi geschlossenen Tarifverträge demnächst von der Regierung für allgemeinverbindlich erklärt werden.
Kastentext:
"Es ist leichter, ein Sicherheitsunternehmen aufzumachen als eine Pommesbude."
Friedrich Kötter, Gesellschafter
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