
James Bond hat ausgedient
11.10.2006 / LOKALAUSGABE / ESSEN
Für Friedrich P. Kötter (40) beginnt neue Sicherheits-Ära. Der Wachmann muss künftig Ingenieur sein. Kötter sortiert 30 Tonnen Hartgeld am Tag. 300 neue Arbeitsplätze. Smart ist auch er. Doch mit dem legendären Actionhelden James Bond hat Friedrich P. Kötter (40), Chef des viertgrößten deutschen Security-Unternehmens, nichts gemeinsam. Sicherheit heute und morgen, das bedeutet für ihn "immer mehr Technik, mehr Elektronik, mehr Qualität in der Ausbildung. Wir brauchen keine Muskelmänner, eher qualifizierte Köpfe, denn auch die Ganoven werden raffinierter."
Hinter der Unternehmensgruppe Kötter verbirgt sich ein erfolgreiches mittelständiges Unternehmen mit den Schwerpunkten Sicherheit, Reinigung, Personalservice und Gebäude-Management. Zahlen belegen die Erfolgsgeschichte, die vor 70 Jahren mit dem Firmengründer Friedrich Kötter in Wanne-Eickel begann, und sich nach dem Krieg in Essen durch Vater Fritz Kötter dynamisch fortsetzte.
Das Unternehmen heute: 9700 Mitarbeiter, 75 Azubis in bundesweit 50 Standorten bei einem Umsatz von 205 Mio Euro. Tendenz steigend!Friedrich P. Kötter: "Unsere Branche ist einem heftigen Wandel unterzogen.Das Gefühl nach Sicherheit hat zugenommen, auch der Personenschutz. Ein Bodyguard muss viel lernen, er muss sich dem Kunden und dessen Gewohnheiten anpassen - das geht bis zum Tanzkurs, wenn er ein Paar zum Ball begleitet. Hinzu kommen hohe technische Anforderungen - nicht nur der Gebrauch der Waffe. Wir bieten unseren Kunden einen Maßanzug in puncto Sicherheit an, ein Paket als Systemlösung für Menschen, Güter und Objekte."
Die Palette rund um die "Dienstleistung Sicherheit" ist breit gefächert: Justizdienste und Sicherung von Flughäfen und anderen öffentlichen Gebäuden, Leitstellenkonzepte, automatisiertes Bargeldhandling, Werksfeuerwehr und vorbeugender Brandschutz,Alarmanlagen, Wirtschaftsermittlung und Risiko-Beratung für Unternehmen, auch um Werkspionage zu verhindern: Allein durch die Wirtschaftskriminalität soll jährlich ein Schaden von sechs Milliarden Euro entstehen Hier kommt es darauf an, gemeinsam mit dem Kunden, dem Eigentümer einer Firma oder dem Manager eines Unternehmens, eng zusammenzuarbeiten.So wird ein individuell geschnürtes Sicherheitspaket entwickelt. Sicherheit könne nicht mehr delegiert werden, sie müsse Chefsache sein, meint der erfolgreiche Dienstleister, der seine Niederlassungen nur in Deutschland betreibt, aber auch Projekte in Europa und in den USA betreut. Ein interessantes Feld hat mit Bargeld zu tun: Täglich transportiert das Unternehmen allein in NRW Hartgeld im Wert von drei Millionen Euro - das sind etwa 30 Tonnen, die sortiert, gerollt und für den Kunden (Banken und der Handel) bei der Bundesbank eingezahlt werden. Umgekehrt werden Handelshäuser auch mit Hart- und Papiergeld versorgt. Neu ist das Cash-Management - die Überwachung der Geldflüsse in den Geldautomaten und die optimale Menge des Bargelds spart Kosten. Kötter: "Unsere Mitarbeiter, beispielsweise ehemalige Bäcker und Hauer, werden in der eigenen Kötter-Akademie ausgebildet, sie müssen eine Prüfung vor der IHK und der Bundespolizei ablegen. Dann erst sind sie Fachkräfte für Schutz und Sicherheit. Die Zeit der Allrounder ist vorbei, wir setzen zunehmend den hochqualifizierten Spezialisten ein. Der Wachmann von morgen wird ein Ingenieur sein."
Die Akademie: Die Ausbildung umfasst alle Schulformen bis hin zum Akademiker. Das Angebot reicht von der Vorbereitung auf die "Waffensachkundeprüfung" bis zu Konfliktmanagement- und Deeskalationstrainings. Ziel ist es, Bewerber aller Berufe zentral im Job-Center zu erfassen und so einen aktuellen Personalpool vorzuhalten.
Kötter bezeichnet sich schlicht als Dienstleister, der nur dann aktiv werden könne, wenn es etwa zu schützen gelte. "Nur wer etwas besitzt, sucht den Schutz." Erfolg ist hier also vom wirtschaftlichen Aufschwung und dem daraus resultierenden Besitz abhängig. Das Unternehmen stellte in den letzten vier Wochen 300 neue Mitarbeiter ein, davon 150 von der insolventen Firma Arnolds. Diplomkaufmann Kötter: "Wer in unserer sensiblen Branche nicht seriös ist, der geht unter. Der Faktor Technik nimmt rapide zu. Wer da nicht mithält, der scheitert. Wer mit Dumpingpreisen operiert, scheitert auch, weil er die notwendige Qualität nicht leisten kann. Ich bin sicher, dass weitere Unternehmen unserer Branche aufgeben müssen. Viele können nicht nein sagen, nehmen jeden Auftrag an - und sind bald pleite."
Privat ist der verheiratete Firmenchef und ehemalige Waldorfschüler ein exzellenter Golfer (Handicap 1,2), ein eifriger Genießer der sonntaglichen Tatort-Krimis, ein England- und Schottland-Fan, ein Sammler moderner Kunst und Freund der Pop- und Klassik-Musik.
Von Wulf Mämpel
